Case Study
Maschinen laufen
nicht von selbst
Wenn Simon den
Takt vorgibt
Knöpfe drücken, Maschine beobachten, Feierabend. So stellen sich manche den Job eines Maschinen- und Anlagenführers vor. Simon kennt dieses Bild und muss darüber lachen. Wer den 35-Jährigen an der LS1 erlebt, merkt schnell, wie wenig dieses Klischee mit der Realität zu tun hat. Simon plant voraus, hört auf den Klang der Anlage und gibt den Takt für einen ganzen Produktionsabschnitt vor.
Bei Simon laufen nicht einfach Maschinen. Bei ihm startet eine Kette. Was an seinen Anlagen gesägt wird, geht weiter an Kante, Bohrautomat, Presse, CNC oder in den Bankraum. Fehlt dort Material, stockt der Ablauf. Läuft vorne etwas falsch, spüren es hinten direkt mehrere Arbeitsplätze.
Zurück zum Holz
Seinen Weg begonnen hat Simon als Holzmechaniker bei einem Unternehmen in unserer Region. Von 2007 bis 2022, ab 2014 als Fachgruppenleiter. Große Industriemaschinen, Stückzahlen, Vorgaben und Produktionsdruck gehörten früh zu seinem Alltag. „Da lernt man, den Überblick zu behalten“, sagt er.
Parallel dazu wurde das Fitnessstudio zu einem festen Teil seines Lebens. Erst als Leidenschaft, dann als Nebenjob und später als berufliche Station. Ab 2022 leitete Simon das clever Fit Studio in Aschaffenburg. Auf den ersten Blick ein Neustart, auf den zweiten eine Erfahrung, die heute sehr gut zu seinem Job passt. Organisation, Mitarbeiterführung, Verantwortung, all das hat er dort täglich gelebt.
Über clever Fit kam schließlich der Kontakt zu REINHOLD KELLER zustande. Seit 2024 ist er nun Teil unseres #TEAMRK. Lange erklären muss er diese Entscheidung nicht. „Das passt einfach gut zu mir. Ich fühle mich hier sehr wohl“, bestätigt er.
Die LS1 wartet nicht
Heute arbeitet Simon an zwei LS1-Anlagen. Vollautomatische Plattensägen, die für die industrielle Möbelfertigung in Losgröße 1 ausgelegt sind. Die Anlagen arbeiten im Rundlaufprinzip. Platten werden von einer, zwei, drei oder vier Seiten gesägt, jedes Teil wandert direkt an seinen nächsten Platz im Produktionsfluss.
Bis zu 1.500 Teile pro Tag sind möglich. Damit diese Zahl nicht nur auf dem Papier gut aussieht, braucht es mehr als Routine. Er richtet ein, rüstet um, bedient, überwacht und passt die Produktion an das an, was die nachfolgenden Arbeitsplätze brauchen.
„Man muss immer ungefähr 60 Minuten vorausdenken“, sagt er. Dieser Blick nach vorne gehört für ihn fest dazu. Welche Teile werden gleich benötigt? Welche Station braucht Nachschub? Wo darf keine Lücke entstehen? Simon arbeitet nicht nur an einer Maschine, er hält ein ganzes System in Bewegung.
HÖREN, WAS NICHT STIMMT
Für ihn beginnt Qualität nicht erst beim fertigen Teil. Sie beginnt am Klang der Anlagen. „Man braucht ein Gehör für die Maschinen“, sagt er. Ein leicht anderes Geräusch, ein ungewohnter Lauf, ein kurzer Moment, der Aufmerksamkeit fordert.
Handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, Improvisationstalent und ein Blick für Qualität sind für ihn die Basis. Vieles lernt man mit der Zeit. Vor allem die Ruhe, wenn etwas anders kommt als geplant.
Wenn die Anlagen Probleme machen, bleibt Simon strukturiert und behält einen kühlen Kopf. Wenn möglich, lässt er sie kontrolliert leerlaufen. Dann sucht er den Fehler, grenzt ihn ein und behebt kleinere Störungen selbst. Bei größeren Defekten kommen Techniker, Schlosser oder Elektriker dazu. „Dann hat man am besten immer einen Kaffee zur Hand“, sagt er und grinst.
Kaffee passt ohnehin zu ihm. Kommunikativ und kaffeesüchtig beschreibt er sich selbst. Beides hilft im Produktionsalltag, wenn schnelle Abstimmung gefragt ist und mehrere Bereiche zusammenlaufen.
EIN FALSCHER KNOPFDRUCK REICHT
Was viele unterschätzen, ist die Verantwortung. Eine Anlage wie die LS1 ist kein Gerät, das man einfach laufen lässt. Jede Entscheidung wirkt weiter. Jede Verzögerung kann Folgen haben. „Eine 20 Cent Schraube kann eine millionenteure Maschine lahmlegen“, sagt Simon.
Ein falscher Knopfdruck kann stundenlange Produktionsausfälle verursachen und im schlimmsten Fall die komplette Kette stilllegen. Und darin liegt für ihn der Reiz! Abwechslungsreich, verantwortungsvoll und interessant, so beschreibt Simon seine Arbeit. Kein Tag folgt Schema F. Anforderungen ändern sich, Abläufe verschieben sich, kleine Störungen tauchen auf, Prioritäten wechseln. Wer hier arbeitet, muss stets aufmerksam bleiben.
Die größte Herausforderung ist für Simon klar. Die Produktion so zu steuern, dass alle folgenden Arbeitsplätze genug Material haben und es nicht zum Stillstand kommt. Das klingt nüchtern. In der Praxis bedeutet es jedoch Tempo, Überblick und Erfahrung.
Zukunft mit Maschine
Jungen Leuten würde Simon die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer empfehlen.
Nicht, weil sie bequem ist. Eher, weil sie sehr viel bietet. „Jeden Tag ist was Neues, es wird nie langweilig“, bestätigt er. Dazu kommt ein Berufsfeld, das sich weiterentwickelt. In der Produktion wird immer mehr automatisch gesteuert und gefertigt. Wer Maschinen versteht, hat viele Möglichkeiten.
Das Klischee vom reinen Beobachten hält sich trotzdem hartnäckig. Simon kennt es. Er weiß aber auch, dass die Realität eine ganz andere ist. Mehr Bewegung, mehr Verantwortung, mehr Abwechslung. „Einfach ein Job, der Spaß macht“, sagt er.
Starte deine Ausbildung
im #TEAMRK!
Alleine in der Nachtschicht
Ein Moment bei REINHOLD KELLER ist Simon bis heute im Kopf geblieben. Seine allererste Nachtschicht! Eine Situation, in der man ziemlich schnell merkt, ob man seine Anlagen kennt. „Man steht dort nicht einfach nur an der Maschine. Man entscheidet, reagiert und sorgt dafür, dass alles weitergeht, auch wenn gerade niemand danebensteht“, fasst er es zusammen.
Nach Feierabend sucht Simon den Ausgleich im Gym, auf dem Fahrrad oder beim Rasenmähen mit lauter Musik. Tagsüber hört er konzentriert auf die Maschine, danach darf es ruhig etwas lauter werden.
Bei RK fühlt er sich angekommen. Das Arbeitsklima, das Team, die Chefs, für ihn stimmt das Gesamtpaket. Wenn er über seine Zukunft spricht, klingt das nicht nach Zwischenstation. „Ich fühle mich hier so wohl, dass ich 2051 am liebsten hier in Rente gehe“, sagt er mit einem zufriedenen Lächeln und widmet sich wieder seinen Anlagen.